| | |  | INITIATIVE ENGELBECKEN | | Persönliche Erklärung: Ich gebe auf
Sehr geehrte Damen und Herren, die Autonomen haben zu einer Demonstration vor meiner Wohnung aufgerufen, siehe Anhang. Ich bin dem nicht gewachsen und stelle mein Engagement in der Initiative Engelbecken hiermit ein. Mein Auto (Toyota Yaris, Kleinstwagen) sollte abgefackelt werden (ein Anwohner löschte den Brand), alle Reifen wurden platt gestochen (zahlt keine Versicherung), eine Parole an der Mauer des Engelbeckens lautete "Obdachlose willkommen - Wieland Giebel raus." Immerhin wurden mir keine wirtschaftlichen Interessen unterstellt, während sonst in der Initiative "Architekten, Bauherren und Investoren" (aktuelle Motz) sein sollen (aber nicht sind).
Ich kann aus der Initiative Engelbecken nicht austreten, weil man nicht eintreten kann. Ich kann auch als Sprecher nicht zurücktreten, weil ich das nicht bin. Ich stelle mein Engagement ab sofort ein und schließe die Homepage "Initiative Engelbecken.de", die auf meinen Namen angemeldet wurde. Ich gebe auf und ziehe mich zurück. An dem Treffen der Initiative Engelbecken mit der Sozialstadträtin und dem Beherbergungsbetrieb Siefos nehme ich nicht mehr teil. Das Treffen sollte der Deeskalation dienen und findet auf Wunsch der Initiative Engelbecken statt.
Ich habe keine Kampagne gegen Obdachlose geführt. Alkoholiker verdamme ich nicht. (Ich habe den Redakteur des Magazins Tip zu den Leuten am Oranienplatz geführt, die ich lange und namentlich kenne. Sie sind Teil des Kiezes. Er zitierte sie ausführlich.) Ich habe keinen Krieg gegen Arme geführt und ich werde keinen Krieg gegen Arme führen. All diese haarsträubenden Vorwürfe widersprechen diametral dem, was ich in meinem Leben getan habe und wofür ich stehe.
Das konnte ich aber nicht vermitteln. Ich konnte nicht vermitteln, daß ich etwas gegen die spezielle Konzeption habe, 143 Menschen unter einem Dach unterzubringen, die als nicht-therapiefähige Alkoholiker bezeichnet werden. Das sind zu viele. Seit Jahren, seit Jahrzehnten orientiert man auf kleinere Einheiten. Alkohol trinken wird in diesem Heim erlaubt sein, so wie es derzeit auch der Fall ist. Gleichzeitig sollen aber auch trockene Alkoholiker in dieses Heim. Ich persönlich halte diese Konzeption für untragbar, egal wo.
Ich konnte nicht vermitteln, daß die Bevölkerung nicht gehört, sondern mit der Entscheidung überrumpelt wurde. Es entstand eine Allianz aus dem Beherbergungsbetrieb Siefos GmbH, der PDS und den Autonomen. Siefos ist eine privatwirtschaftliche Firma. Je mehr Obdachlose mit minimalem Einsatz von Sozialarbeitern betreut werden, derzeit 3 oder 4 auf rund 100 Betreute, desto wirtschaftlicher. Die Pleite Berlins läßt die Politiker (hier im Bezirkssamt die PDS) Sparpolitik betreiben, falsche Sozialpolitik: Je mehr Obdachlose von einem preiswerten Anbieter gemanagt werden, desto billiger. Die Autonomen interessieren diese Fragen nicht, sie haben einen Feind gefunden. Wieso sie sich für dieses Beherbergungskonzept einsetzen, erschließt sich mir nicht.
Für die Medien ist es einfach, die undifferenzierte Berichterstattung von Motz, Junge Welt und dem Mieter Echo (alles ein Autor, Christian Linde) aufzugreifen und den Konflikt rot-grüne Aufsteiger versus Arme und Verlierer daraus zu machen. Nach der TV-Sendung Berlin life wurde die Konfrontation angeheizt. Das Magazin Tip hat die Geschichte aufgebracht von der Frau, der das Gebiß zerschlagen wurde. Die Morgenpost hat das abgeschrieben und ist der ausdrücklichen Bitte, das zu recherchieren, nicht nachgekommen. Die Sache hat nichts mit dem geplanten Heim, nichts mit der Initiative Engelbecken zu tun. Aber irgendwie paßt sie ganz gut ins Klischee. Es ist mir nicht gelungen, die Medien zu einer sachlichen Diskussion zu bewegen. Durchgängig war das Interesse an Konfrontation in Kreuzberg größer.
Die Demonstration vor meiner Wohnung wurde bereits bei der Abschlußkundgebung einer Demo der Autonomen am 3. Oktober 2003 ("Deutschland ist Scheiße - delete Germany") angekündigt. Jetzt wird auf der Homepage www.KP-Berlin.de zu dieser Demonstration am Sonntag, dem 19. Oktober um 16 Uhr aufgerufen.
Ich kapituliere. Für weitere Gespräche stehe ich nicht zur Verfügung, auch nicht am Telefon. Respektieren Sie das bitte.
Wieland Giebel Berlin 17. Oktober 2003 Wir haben auf der Homepage immer beide Seiten zu Wort kommen lassen. So soll es auch hier sein. Aufruf zur Demo auf www.kp-Berlin.de
Klassenkeile für Engelbecker Solidarität statt Ausgrenzung!
Am Engelbecken in Kreuzberg soll ein Heim für Obdachlose und Alkoholkranke eröffnet werden. Das passt der »Initiative Engelbecken« nicht. Die Bügerinitiative will das Heim verhindern, weil deren Mitglieder befürchten, dass die verarmten Alkoholsüchtigen ihre Wohnqualität mindern könnten. Kreuzberg vertrage nicht noch einen »sozialen Brennpunkt« und die Alkis sollten sich doch lieber woanders hin verziehen. Was die Bürgerinitiative da fordert, ist nichts anderes, als die Ausgrenzung finanziell Schwacher. Die Bürgerinitiative schert sich nicht um die gesellschaftlichen Bedingungen, die die Obdachlosigkeit hervorbringen, sondern erklärt sie zum »individuellen Problem«. Als Lösung streben Giebel und seine Mitstreiter an, die Betroffenen aus dem eigenen Blickfeld zu beseitigen. Dabei gleicht die Argumentation den rassistischen Initiativen der 90er Jahre, die sich gegen die Errichtung von Asylbewerberheimen in der eigenen Nachbarschaft organisierten. Während heute im Osten die Nazi-Kameradschaften Obdachlose zu Tode treten, gibt die »Initiative Engelbecken« im schönen Multikulti-Kreuzberg das Signal zum Zuschlagen. Erfolg bei ihrer Aggressionsstrategie ist auch schon zu verzeichnen. So wurde eine künftige Bewohnerin des Heims in der Nähe zusammengeschlagen. Sprecher und Gründer der BI ist Wieland Giebel. Früher war Giebel Leiter des linksalternativen Verlags Elefanten Press. Heute gehört er zum besser verdienenden rot-grünen Mittelstand. Gerade dieses Milieu tut sich seit Jahren besonders hervor, wenn es um die Vertreibung finanziell Schwacher aus dem armen aber hippen Kreuzberg geht. Ihr Anblick ist den Ex-Alternativen anscheinend nicht zumutbar. Sie erklären den neoliberalen Angriff auf die Armen zu ihrer Sache. Doch Armut und Elend verschwinden nicht, wenn man die Verarmten bekämpft und ihnen das Leben noch schwerer macht. Es sind die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Armut und Elend, die Gewinner und Verlierer hervorbringen. Folgerichtig gehören eben diese Verhältnisse bekämpft und nicht diejenigen, die im allgemeinen Konkurrenzkampf verlieren, vor die Hunde gehen und an der Nadel oder an der Flasche enden.
Den Giebels auf die Pelle rücken!
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